Mittwoch, 16. März 2011

Wie man sich die Welt so macht, wie sie einem gefällt

Es gab gar keine Demonstrationen gegen Gaddafi, sagt Gaddafi zu Antonia Rados.

http://www.rtl.de/medien/1460e-0-51ca-17/exklusiv-interview-rados-bei-gaddafi.html

Bescheiden im Golf-Caddy kommt der ansonsten gar nicht bescheidene Herr daher gefahren. Es gab nur Demonstranten, die FÜR ihn demonstriert haben. Und die paar Aufständischen - alles Anhänger Bin Ladens, so Gaddafi. Wahrscheinlich kann man sich in der Position wirklich die eigene Realitätswahrnehmung auch noch gemäß des eigenen Wunschdenkens zurechtlegen. Darauf wird der Gaddafi kein Monopol haben.

Doch wenn man sich die Politik des Westens gegenüber Gaddafi ansieht, vom Terrorförderer zum geläuterten Partner, danach zum verhassten Diktator, dann ist es gar nicht so verwunderlich, wenn Gaddafi die Welt nicht mehr versteht.

Hat der Westen Leute seines Formats doch tatsächlich als Garanten gesehen, dass sich kein zweiter Gottes- oder Talibanstaat etabliert. Tatsächlich haben sich die Anhänger der islamistischen Bin Laden-Ideologie u.a. das klare Ziel gesetzt, korrupten arabischen Diktatoren die Rübe abzuschneiden und überhaupt die Machtverhältnisse in allen mehrheitlich islamischen Ländern zu ändern. Wobei die Diktatoren nach dieser Ideologie natürlich immer Marionetten des Westens sind und mit einer anderen Art Diktatur schon eine ganz großartige Gesellschaft entstünde. Was natürlich hirnrissig hoch 100 ist. Nee, dann doch lieber irgendwelche halbwegs verlässlichen Despoten, dachte man sich bis vor kurzem noch - heimlich.

Und nun preschen einige Länder, vor allem Frankreich, vor und fordern gar ein militärisches Eingreifen in Libyen. Nun will der Westen die Entmachtung Gaddafis - wieder mal. Aber zumindest Deutschland ist noch nicht ganz unten durch. Schließlich war unsere Regierung bei der militärischen Option zurückhaltend und kritisch. Vielleicht können wir doch noch Aufträge von Gaddafis Libyen bekommen. Und das ist ja schließlich die Hauptsache. Bis jetzt ist der Despot noch immer da. Zu früh gefreut, wie es aussieht.

Vielleicht können wir uns ja den kleinen Luxus gönnen und einfach erklären, es habe die Kritik am Niedermetzeln von Demonstranten und überhaupt die Vorfälle alle nicht gegeben. Die Piloten der libyschen Streitkräfte haben sich einfach verflogen. Was ihnen halt zu peinlich war.

Und wieder einmal zeigt sich, dass das 'Gute' gegen das 'Böse' eben doch keine Chance hat, wenn das 'Böse' zu allem entschlossen ist. Das 'Gute', so es denn die Gaddafi-Gegner anstrebten, nämlich eine Gesellschaft, in der es tatsächlich Volksvertreter gibt und nicht nur eine kleine Clique, die alles im kleinen Kreis verteilt, hat wenige Optionen. Der zu allem entschlossene Tyrann verfügt über tausend Optionen, wie er seine Ziele vorantreiben und seine Macht erhalten kann. Wäre der Mubarak z.B. ein Gaddafi, wer weiß.

Es ist ein Paradoxon. Muss man, um das Schlechte abzuschütteln, zu allen Mitteln greifen und selber skrupellos genug sein, sich durchsetzen zu können? Wenn ja, was unterscheidet einen dann noch vom Schlechten, das sich zuvor nicht abschütteln ließ?

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