Dieser Tage hört man öfters von Geisterfahrern, also von Falschfahrern, die als Phänomen zu häufig auftreten, um jedes Mal als Versehen durchzugehen.
Einige Falschfahrer wollen sich offenbar das Leben nehmen und andere dabei mit in den Tod reißen.
Das ist unfair.
Es gibt viele Arten sich das Leben zu nehmen, ohne andere mit hineinzuziehen. Beim sog. erweiterten Selbstmord töten Selbstmörder neben sich Angehörige, z.B. Kinder. Auch dazu haben sie kein Recht. Man könnte eine ethische und theologische Debatte darüber führen, ob man das Recht hat oder haben sollte, sich selber zu töten, wenn man im wahrsten Sinne des Wortes lebensmüde ist, also des Lebens müde. Oder weil man an einer unheilbaren Krankheit leidet. Doch wahllos irgendwelche Unbeteiligten mit in den Tod zu reißen, ist nicht Selbstmord, sondern
MORD.
Es ist genauso, als würde man jemanden ermorden und sehr viel später aus dem Leben scheiden. Das Leben anderer Menschen gehört einem nicht, man kann nicht nach Lust und Laune darüber verfügen. Sei es das Leben der Kinder oder der Ehefrau oder des Ehemannes, das Leben anderer Verwandter oder eben das Leben fremder Menschen.
Was geht in Menschen vor, die andere mit in den Tod nehmen wollen? Möchten sie sich an der Gesellschaft rächen? Möchten sie das Gefühl haben, in diesem letzten Akt etwas bewirkt zu haben, anderen etwas angetan zu haben, anderen etwas zugefügt zu haben, gegen das diese sich nicht wehren können? Um nicht zusätzliche Aufmerksamkeit und Nachahmer zu generieren, berichten die Medien nur zurückhaltend über die Selbstmorde, die jeden Tag stattfinden. Und scheinbar ist die "Welle" von Geisterfahrern entstanden, weil Nachahmer diese Variante, aus dem Leben zu scheiden, für sich entdeckt haben.
Riss im Elfenbeinturm
Politische und gesellschaftliche Themen, moderne Medien und neue Technologien
Montag, 1. April 2013
Zunehmend artikulierter Hass
Eine Zusammenstellung hasserfüllter Netz-Kommentare beim Thema Asylunterkünfte und Rechte von Asylbewerbern gibt es beim Lindwurm.
Da ist etwas "fruchtbar noch", ist aber überall dasselbe. Mit der zunehmenden Verschärfung ökonomischer Gegensätze wird sich auch dieser Hass verschärfen, denn es werden wieder Sündenböcke gebraucht, die zugleich die Eigenschaft haben müssen, schwächer zu sein und niedriger, so dass man sich als etwas Besseres fühlen kann, indem man nicht zum "Pack" gehört. Dass man gerade deshalb zum Pack gehört, ist denjenigen nicht recht bewusst.
Zwar wird der eine oder andere das Netz nicht so ernst nehmen und sagen, dort seien die Äußerungen immer besonders scharf. Aber das Netz hat auch etwas Ehrliches, da doch viele noch (fälschlicherweise) denken, im Netz anonym zu sein. Woraufhin sie mal so richtig die Sau rauslassen bzw. zu erkennen geben, wie sie wirklich denken.
Da ist etwas "fruchtbar noch", ist aber überall dasselbe. Mit der zunehmenden Verschärfung ökonomischer Gegensätze wird sich auch dieser Hass verschärfen, denn es werden wieder Sündenböcke gebraucht, die zugleich die Eigenschaft haben müssen, schwächer zu sein und niedriger, so dass man sich als etwas Besseres fühlen kann, indem man nicht zum "Pack" gehört. Dass man gerade deshalb zum Pack gehört, ist denjenigen nicht recht bewusst.
Zwar wird der eine oder andere das Netz nicht so ernst nehmen und sagen, dort seien die Äußerungen immer besonders scharf. Aber das Netz hat auch etwas Ehrliches, da doch viele noch (fälschlicherweise) denken, im Netz anonym zu sein. Woraufhin sie mal so richtig die Sau rauslassen bzw. zu erkennen geben, wie sie wirklich denken.
(Nicht-)Wahrnehmungen von Gewalt
In der Türkei regt man sich gerade, teilweise zu Recht, darüber auf, wie mit den NSU-Morden prozesstechnisch umgegangen wird, nachdem bereits erwiesen scheint, wie schlecht die Ermittlungsarbeit gelaufen war. Man ist also seitens unserer Behörden und Justiz scheinbar dabei, die Pannenserie fortzusetzen.
http://www.n-tv.de/politik/Tuerkei-kritisiert-NSU-Prozess-article10388911.html
http://www.handelsblatt.com/politik/international/koelner-wohnhausbrand-tuerkei-kritisiert-deutsche-ermittler/8005894.html
Bekir Bozdag fragt: "Warum brennen immer nur Häuser von Türken"
Was würde Bozdag erst sagen, würde man in Deutschland nicht sofort dementieren, dass es sich um eine rechtsextrem motivierte Tat handeln könnte? Wahrscheinlich würde er das Thema dann noch größer aufblasen als es tatsächlich ist. Oder was wäre, würde man Bozdag mal eine Statistik der Feuerwehr unter die Nase halten. Während die einen Politiker bei uns ein Spielchen des Beschwichtigens und Ignorierens spielen, versucht sich der türkische Politiker populistisch zu profilieren. Es geht immer um diverse Interessen, nur nie um die betroffenen Opfer und deren Familien.
Dass sehr wohl die Medienberichterstattung darüber bestimmt, als wie schlimm ein Problem in der Öffentlichkeit und international wahrgenommen wird, zeigt das Beispiel Mexiko. Seit Jahren findet dort mit wenig internationaler Beachtung ein brutaler Drogenkrieg statt, der nach offiziellen Zahlen bereits über 70.000 Tote gefordert hat. Angehörige rivalisierender Kartelle zerhacken sich gegenseitig mit Macheten und Äxten und gelegentlich auch Opfer, die irgendwie dazwischen geraten sind oder über etwas berichtet haben, das sie nicht betrachten sollten.
http://www.washingtontimes.com/news/2011/nov/10/mexican-anti-cartel-blogger-is-murdered-decapitate/
http://www.examiner.com/article/another-narco-blogger-murdered-mexico
Was würde die deutsche Öffentlichkeit dazu sagen, würden in deutschen Städten öfters mal Leichenteile auftauchen und ständig Massaker und Schießereien stattfinden? Im Zusammenhang mit den Ereignissen in Mexiko wird seit geraumer Zeit der Begriff innerstaatlicher Krieg verwandt.
Wir haben also in diesem Beitrag bisher kurz auf drei verwandte, aber unterschiedlich motivierte Phänomene hingewiesen:
- Gewalt, bei der man nach 5 Minuten weiß, wer garantiert nicht dahinter steckt, weil das sonst peinlich und wirtschaftlich nachteilig wäre (Exporte, Investitionen)
- Gewalt, die bei anderen abläuft und mit der man sich profilieren kann
- Gewalt, die ungeheure Ausmaße annimmt und schon so "normal" wird wie Sonnenaufgang und -untergang, Abstumpfung, Verrohung
Fehlt nur noch die Gewalt, die als solche nicht mehr erkennbar wird und zur genannten Routine übergeht.
- Gewalt aus der Entfernung, über eine Drohne oder mittels Bomben
Allen Formen der Ignoranz gegenüber Gewalt ist gemeinsam, dass irgendein Zweck dahinter steht, die Gewalt nicht (mehr) als solche zur Kenntnis zu nehmen, sondern ihr eine andere Bedeutung zu geben, bei der sie normal oder sogar "sauber" erscheint oder ganz verschwindet. In wievielen gedanklichen Ebenen Menschen Gewalt anders kategorisieren oder auch ignorieren können, ist faszinierend. Lässt uns aber auch mit wenig Hoffnung zurück, was das Lernen aus der Geschichte und eine bessere, friedlichere Zukunft betrifft.
http://www.n-tv.de/politik/Tuerkei-kritisiert-NSU-Prozess-article10388911.html
http://www.handelsblatt.com/politik/international/koelner-wohnhausbrand-tuerkei-kritisiert-deutsche-ermittler/8005894.html
Bekir Bozdag fragt: "Warum brennen immer nur Häuser von Türken"
Was würde Bozdag erst sagen, würde man in Deutschland nicht sofort dementieren, dass es sich um eine rechtsextrem motivierte Tat handeln könnte? Wahrscheinlich würde er das Thema dann noch größer aufblasen als es tatsächlich ist. Oder was wäre, würde man Bozdag mal eine Statistik der Feuerwehr unter die Nase halten. Während die einen Politiker bei uns ein Spielchen des Beschwichtigens und Ignorierens spielen, versucht sich der türkische Politiker populistisch zu profilieren. Es geht immer um diverse Interessen, nur nie um die betroffenen Opfer und deren Familien.
Dass sehr wohl die Medienberichterstattung darüber bestimmt, als wie schlimm ein Problem in der Öffentlichkeit und international wahrgenommen wird, zeigt das Beispiel Mexiko. Seit Jahren findet dort mit wenig internationaler Beachtung ein brutaler Drogenkrieg statt, der nach offiziellen Zahlen bereits über 70.000 Tote gefordert hat. Angehörige rivalisierender Kartelle zerhacken sich gegenseitig mit Macheten und Äxten und gelegentlich auch Opfer, die irgendwie dazwischen geraten sind oder über etwas berichtet haben, das sie nicht betrachten sollten.
http://www.washingtontimes.com/news/2011/nov/10/mexican-anti-cartel-blogger-is-murdered-decapitate/
http://www.examiner.com/article/another-narco-blogger-murdered-mexico
Was würde die deutsche Öffentlichkeit dazu sagen, würden in deutschen Städten öfters mal Leichenteile auftauchen und ständig Massaker und Schießereien stattfinden? Im Zusammenhang mit den Ereignissen in Mexiko wird seit geraumer Zeit der Begriff innerstaatlicher Krieg verwandt.
Wir haben also in diesem Beitrag bisher kurz auf drei verwandte, aber unterschiedlich motivierte Phänomene hingewiesen:
- Gewalt, bei der man nach 5 Minuten weiß, wer garantiert nicht dahinter steckt, weil das sonst peinlich und wirtschaftlich nachteilig wäre (Exporte, Investitionen)
- Gewalt, die bei anderen abläuft und mit der man sich profilieren kann
- Gewalt, die ungeheure Ausmaße annimmt und schon so "normal" wird wie Sonnenaufgang und -untergang, Abstumpfung, Verrohung
Fehlt nur noch die Gewalt, die als solche nicht mehr erkennbar wird und zur genannten Routine übergeht.
- Gewalt aus der Entfernung, über eine Drohne oder mittels Bomben
Allen Formen der Ignoranz gegenüber Gewalt ist gemeinsam, dass irgendein Zweck dahinter steht, die Gewalt nicht (mehr) als solche zur Kenntnis zu nehmen, sondern ihr eine andere Bedeutung zu geben, bei der sie normal oder sogar "sauber" erscheint oder ganz verschwindet. In wievielen gedanklichen Ebenen Menschen Gewalt anders kategorisieren oder auch ignorieren können, ist faszinierend. Lässt uns aber auch mit wenig Hoffnung zurück, was das Lernen aus der Geschichte und eine bessere, friedlichere Zukunft betrifft.
Dienstag, 24. April 2012
BGH-Urteil - Banken haften nicht für Phishing
http://www.morgenpost.de/wirtschaft/article106222167/Betrug-beim-Online-Banking-Kunden-muessen-selber-haften.html
Kein verbraucherfreundliches Urteil. Denn so ganz aus der Affäre ziehen können sich die Banken, die ihre oftmals nicht aktuellen Sicherheitsstandards genügenden Standard-Technologien als sicher verkaufen, nicht. Wer macht schon HBCI-Banking? Wenige.
Obwohl das, wenn auch keinen perfekten Schutz, doch einige Probleme abstellt. Vor allem ist bei HBCI mit einer separaten Eingabetastatur und einer eigenen Bankingsoftware das klassische Keylogging nicht möglich - dabei protokolliert eine Schadsoftware die Tastatureingaben des Benutzers und schickt die Daten ins Internet an die Kriminellen.
Die IT ist zu komplex, Software generell nie als absolut sicher einzustufen, um so pauschal die Schuld beim Verbraucher zu sehen, wenn etwas passiert. Selbst beim Einsatz bester Antivirensoftware mit den neuesten Signaturen wäre es vorstellbar, dass ein Schädling den Rechner unter seine Kontrolle bringt. Technisch ausschließen kann das niemand.
Natürlich gibt es fahrlässige Benutzer, die ihren Computer und das Internet gar nicht verstehen, aber trotzdem mit Onlinebanking, Webbrowser und Email ausgerüstet die Welt der digitalen Information erkunden. Gerade älteren Menschen, die lange überhaupt keinen Computer hatten, fällt es schwer, das Notwendige noch zu lernen und ein grundlegendes Verständnis zu entwickeln. Man kann dabei die Frage stellen, ob ein unsicheres Banking-Produkt nicht als fehlerhaftes Produkt einzustufen ist. Zumal dann, wenn Kunden, die vielleicht besorgt nachgefragt haben, ob ihr Onlinebanking auch sicher sei, mit Floskeln beruhigt wurden.
Neben der im Artikel genannten "Man in the Browser" (MITB)-Attacke gibt es noch den Fall, dass Hacker den Bankcomputer unter ihre Gewalt bringen bzw. ihm eine eigene Instanz vorschalten, die ankommende Daten von Kunden manipuliert. Der Ansatz, Verantwortung pauschal auf den Onlinebanking-Nutzer abzuwälzen, verlockt da vielleicht zu einer gefährlichen Nachlässigkeit, Onlinebanking kontinuierlich sicherer zu machen.
Witziges Beispiel, das zum Thema passt: http://www.morgenpost.de/wirtschaft/finanzen/article106033719/Bank-ueberweist-Mann-versehentlich-200-Mio-Euro.html
Im Grunde hat die Bank dem Mann kein Geld überwiesen, sondern sein Guthaben nur falsch dargestellt. Wobei das eine Definitionsfrage ist, die nun vor Gericht geklärt werden soll. So ist das generell bei virtuellen Werten. Man tut so als seien sie substanziell, dabei bestehen sie aus Speicherinhalten, Einsen und Nullen. In einer wirklich bargeldlosen und papierlosen Gesellschaft könnte man die komplette Existenz eines Menschen mit ein paar Mausklicks umändern - oder falls Maus dann out ist etwa per Touchscreen. Das Virtuelle wird so zur eigenen Realität, die nicht ergänzend zur realen Welt, sondern parallel und zunehmend gleichwertig existiert. Und man ist bereits dabei, die Regeln der realen Welt an die virtuelle anzupassen.
Kein verbraucherfreundliches Urteil. Denn so ganz aus der Affäre ziehen können sich die Banken, die ihre oftmals nicht aktuellen Sicherheitsstandards genügenden Standard-Technologien als sicher verkaufen, nicht. Wer macht schon HBCI-Banking? Wenige.
Obwohl das, wenn auch keinen perfekten Schutz, doch einige Probleme abstellt. Vor allem ist bei HBCI mit einer separaten Eingabetastatur und einer eigenen Bankingsoftware das klassische Keylogging nicht möglich - dabei protokolliert eine Schadsoftware die Tastatureingaben des Benutzers und schickt die Daten ins Internet an die Kriminellen.
Die IT ist zu komplex, Software generell nie als absolut sicher einzustufen, um so pauschal die Schuld beim Verbraucher zu sehen, wenn etwas passiert. Selbst beim Einsatz bester Antivirensoftware mit den neuesten Signaturen wäre es vorstellbar, dass ein Schädling den Rechner unter seine Kontrolle bringt. Technisch ausschließen kann das niemand.
Natürlich gibt es fahrlässige Benutzer, die ihren Computer und das Internet gar nicht verstehen, aber trotzdem mit Onlinebanking, Webbrowser und Email ausgerüstet die Welt der digitalen Information erkunden. Gerade älteren Menschen, die lange überhaupt keinen Computer hatten, fällt es schwer, das Notwendige noch zu lernen und ein grundlegendes Verständnis zu entwickeln. Man kann dabei die Frage stellen, ob ein unsicheres Banking-Produkt nicht als fehlerhaftes Produkt einzustufen ist. Zumal dann, wenn Kunden, die vielleicht besorgt nachgefragt haben, ob ihr Onlinebanking auch sicher sei, mit Floskeln beruhigt wurden.
Neben der im Artikel genannten "Man in the Browser" (MITB)-Attacke gibt es noch den Fall, dass Hacker den Bankcomputer unter ihre Gewalt bringen bzw. ihm eine eigene Instanz vorschalten, die ankommende Daten von Kunden manipuliert. Der Ansatz, Verantwortung pauschal auf den Onlinebanking-Nutzer abzuwälzen, verlockt da vielleicht zu einer gefährlichen Nachlässigkeit, Onlinebanking kontinuierlich sicherer zu machen.
Witziges Beispiel, das zum Thema passt: http://www.morgenpost.de/wirtschaft/finanzen/article106033719/Bank-ueberweist-Mann-versehentlich-200-Mio-Euro.html
Im Grunde hat die Bank dem Mann kein Geld überwiesen, sondern sein Guthaben nur falsch dargestellt. Wobei das eine Definitionsfrage ist, die nun vor Gericht geklärt werden soll. So ist das generell bei virtuellen Werten. Man tut so als seien sie substanziell, dabei bestehen sie aus Speicherinhalten, Einsen und Nullen. In einer wirklich bargeldlosen und papierlosen Gesellschaft könnte man die komplette Existenz eines Menschen mit ein paar Mausklicks umändern - oder falls Maus dann out ist etwa per Touchscreen. Das Virtuelle wird so zur eigenen Realität, die nicht ergänzend zur realen Welt, sondern parallel und zunehmend gleichwertig existiert. Und man ist bereits dabei, die Regeln der realen Welt an die virtuelle anzupassen.
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